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Eingewöhnung in der Kita

Eine Kindertagesstätte ist ein wundersamer und auch zugleich wichtiger Ort für Kinder. Spielen, Malen, Basteln und Grenzen austesten, während die Eltern ihrem Beruf nachgehen. In der Kita lernen Kinder sich selbst besser kennen und kommen ganz natürlich in ihrer Entwicklung weiter. Aber Erzieherinnen und Erzieher leisten mehr, als Kinder zu hüten. In der Kita werden noch vor dem Kindergarten wichtige soziale Kompetenzen gefördert und vielleicht sogar Freundschaften fürs Leben geschlossen.

Der Haken: Die erfolgreiche Eingewöhnung an die Kita gestaltet sich für Eltern oft nicht allzu rosig. Denn die Kita-Eingewöhnung bedeutet einen vollkommen neuen Lebensabschnitt für Dein Kind, der mit allerlei Veränderungen daherkommt. Die wahrscheinlich erste Trennung von den Eltern als Bezugspersonen und das Zusammenkommen mit vielen anderen Kindern kann für viele Kleinkinder ein echter Schock sein.

Aber keine Sorge! Hier erfährst Du, was die Eingewöhnung in der Kita für Dein Kind bedeutet und wie die Eingewöhnung für Eltern und Kind so einfach wie möglich zu gestalten ist.

Was bedeutet die Eingewöhnung in der Kita für mein Kind?

Die Eingewöhnung in der Kindertagesstätte ist für Kinder oft alles andere als einfach. Wenn wir uns einmal anschauen, was auf ein Kind zukommt, hilft es dabei, die Kita-Eingewöhnung zu vereinfachen.

Sicheren Hafen verlassen

Dein Kind verlässt mit dem Besuch in der Kita seine sichere Umgebung. Zuhause ist alles vertraut und Dein Kind weiß ganz genau, wo es was zu finden hat. Eine neue Umgebung kommt immer mit Unsicherheiten einher: Alles muss neu erkundschaftet werden und das kann ganz schön anstrengend sein!

Trennung von Eltern

Die Eingewöhnung in der Kita bedeutet für Kinder oftmals, das erste Mal von ihren Eltern getrennt zu sein. Deshalb können sich die ersten Trennungsversuche auch häufig als nicht ganz so leicht darstellen – das gilt übrigens auch für die Eltern! Denn es ist für beide Seiten ein neuer Umstand, sich nicht bei Bedarf sehen zu können.

Neue Bezugspersonen

Zur Trennung von den Eltern kommt für Dein Kind bei der Eingewöhnung noch ein ungewohnter Faktor hinzu: viele bis dahin unbekannte Bezugspersonen in Form von Pädagogen. Klar, dass das ganz schön irritierend sein kann als kleines Kind! Immerhin wird Dein Kind noch nicht viele Situationen gehabt haben, in denen die Eltern einen Schritt beiseite machen, um eine neue Bezugsperson innerhalb der Kita vorzustellen.

Ungewohnter Tagesablauf

Den Alltag zuhause kennt Dein Kind sicherlich in und auswendig. In der Regel läuft er immer ähnlich ab und Dein Kind kann sich auf gewisse Tagespunkte verlassen, beispielsweise am Abend als Einschlafritual eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen zu bekommen. Der Kita-Alltag hingegen sieht ganz anders aus. Das muss natürlich erst einmal verarbeitet werden.

Neue Situationen

Die Eingewöhnung in der Kita wird Deinem Kind schnell klarmachen, dass es nicht nur einen anderen Tagesablauf zu erwarten hat, sondern dass es auch andere Regeln gibt, die zu neuen Situationen führen können. Beispielsweise neue Rituale vor dem Essen oder auch Streit mit anderen Kindern. Konflikte zu lösen ist für die Entwicklung eines Kindes wichtig, muss aber auch erlernt werden, was wiederum Frust und Unmut bedeuten kann. In Kombination mit der Abwesenheit der Eltern führt das zu vollkommen neuen Situationen für Dein Kind.

Andere Kinder

Einer der wohl schönsten Punkte, die eine Eingewöhnung in der Kita mit sich bringt: Dein Kind wird ab dem ersten Tag viele neue Kinder kennenlernen. Das soziale Miteinander ist wichtig, kann aber besonders in und um die Eingewöhnung herum auch stressig für Kinder sein.

Kinder untereinander sind zwar kontaktfreudig und gehen offen aufeinander zu, aber nicht alle Charaktere sind gleich. Ist Dein Kind jedoch eher von der schüchternen Sorte oder besonders neugierig, kann das schon mal überfordernd sein.

Wie bereite ich mein Kind auf die Eingewöhnung in der Kita vor?

Jetzt, wo wir einen kurzen Blick darauf geworfen haben, wie Kinder die Eingewöhnung in der Kita wahrnehmen, schauen wir einmal, was Eltern tun können, um ihre Kleinen an Erzieherinnen und Co. zu gewöhnen.

Wichtig ist zu erwähnen, dass jedes Kind unterschiedlich reagiert und die Eingewöhnung in einer Kindertagesstätte mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann. Experten raten dazu, sich mindestens acht Wochen Zeit für die Eingewöhnung zu nehmen.

Den richtigen Zeitpunkt wählen

Klar, manch einer kann es sich nicht aussuchen, wann das Kind in die Betreuung geht, aber wenn Du die Möglichkeit dazu hast, wäre es ideal, wenn Dein Kind bereits Erfahrungen mit einer Fremdbetreuung und auch mit fremden Kindern machen konnte.

Die ersten Wochen in der neuen Umgebung sind stressig für Dein Kind und eine riesengroße Veränderung. In dieser Zeit sollten im besten Fall keine anderen, großen Veränderungen stattfinden, wie ein Umzug.

Weitere Bezugspersonen einbeziehen

Oma, Opa, Paten oder auch Freunde der Eltern können die Rolle von Bezugspersonen für ein Kind übernehmen. Ist Dein Kind daran gewöhnt, dass es auch anderen vertrauen kann, wird die Eingewöhnungszeit in der Kita oder später im Kindergarten deutlich vereinfacht. Auch die Betreuung durch eine Tagesmutter erleichtert die Eingewöhnungsphase eines Kindes.

Trennung auf Zeit proben

Eltern können vor dem Kita-Start das Getrenntsein voneinander proben. So ist Dein Kind am ersten Tag nicht vollkommen unvorbereitet, wenn Du es verabschiedest und Du aus dem Blickfeld verschwindest.

Wichtig hierbei ist eine deutliche Verabschiedung. Mache Deinem Kind klar, dass Du eine Weile nicht bei ihm sein kannst, aber bald wiederkommst und Dich schon darauf freust. Gib Deinem Kind die Zeit, die es benötigt, um noch einmal Deine Nähe zu suchen.

Eltern als Sicherheit

In der aktiven Phase der Eingewöhnung hilft es Kindern beim Kennenlernen von Erzieherin und Erzieher, wenn die Eltern anwesend sind. Ein Elternteil reicht völlig aus, damit ein Kind sich sicher genug fühlt, um die pädagogischen Fachkräfte kennen zu lernen. Dabei kannst Du beobachten, wie die neue Situation mit der noch nicht vertrauten Person auf Dein Kind wirkt und es bestärken.

Nicht unterkriegen lassen

Die Eingewöhnungsphase kann nicht nur für Kinder, sondern besonders für die Eltern eine große Herausforderung werden. Das Kind schreit und weint, will nicht, dass Mama oder Papa geht und Du fühlst Dich schuldig und traurig, dass Dein Kind so reagiert. Hier hilft es tief durchzuatmen und einen klaren Kopf zu bewahren. Überleg Dir genau, wieso Dein Kind weint und erinnere Dich daran, dass jeder Anfang schwer ist und das auch vorbeigeht. Nach ein paar Wochen jedoch, wenn die Eingewöhnung als abgeschlossen gilt und Dein Kind weint und schreit bei der Verabschiedung und Du Dich vergewissert hast, dass ihm nichts fehlt, solltest Du die Zähne zusammenbeißen und gehen. Kinder sind pfiffig und lernen schnell, dass sie durch ihr Weinen Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen, und uns so gesehen sogar sehr einfach manipulieren können.

Welche Eingewöhnungsmodelle gibt es?

Wenn Du einem bestimmten Modell bei der Eingewöhnung in die Kita oder den Kindergarten folgen möchtest, gibt es zwei bekannte und erprobte Methoden.

Das Berliner Modell

Manche Kitas und auch Kindergarten bieten für eine einfachere Eingewöhnung das sogenannte Berliner Modell an. Nachdem die Universität Berlin in den 80-ern und 90-ern Beweise dafür liefern konnte, dass Kinder ohne Eingewöhnungsphase in der Kita oder dem Kindergarten häufiger erkrankten als Kinder mit einer Eingewöhnung, wurde das Berliner Modell entwickelt.

Das Modell ist in vier Phasen unterteilt:

Grundphase

Diese Phase besteht aus gemeinsamen Besuchen in der Betreuung für ein paar Stunden. Hierbei begleitest Du zwar Deinen Nachwuchs, hältst Dich jedoch im Hintergrund. Sucht Dein Kind Kontakt und möchte beispielsweise auf den Arm, ist es vollkommen okay, diesen Wunsch zu erfüllen. In dieser Phase versuchen Erzieherin und Erzieher Kontakt zum Kind aufzubauen und erstes Vertrauen zu gewinnen. Bei den Aktivitäten, wie Klatschspielen oder dem gemeinsamen Spielen nimmst Du zwar nicht teil, dafür bist Du aber aktiv mit dabei, wenn beispielsweise Windeln gewechselt werden müssen. Dein Kind sieht so, dass es in Ordnung ist, wenn eine andere Person das erledigt.

Erste Trennung

Nach etwa vier Tagen verabschiedest Du Dich das erste Mal von Deinem Kind. Auch, wenn es schreit und weint: hart bleiben! Verabschiede Dich deutlich und verbringe die nächste halbe Stunde in einem Nachbarraum.

Stabilisierung

Nach der ersten Trennung wiederholst Du den Vorgang in den nachfolgenden Tagen mit verlängerter Abwesenheitszeiten. Wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Kind Sicherheit gewonnen hat, verabschiedest Du Dich und holst es erst zur Abholzeit wieder ab. In dieser Phase bist Du nur als Begleitperson dabei und trittst ansonsten vollkommen in den Hintergrund. Auch das Windeln wechseln wird von den Pädagogen erledigt.

Schlussphase

Als gelungene Eingewöhnung gilt es, wenn Dein Kind sich von einer Erzieherin oder einem Erzieher trösten lässt. Das bedeutet, dass Dein Kind genug Vertrauen aufgebaut hat und die jeweilige Person als neue Bezugsperson annimmt.

Das Münchener Modell

Das Münchener Modell ist eine Weiterentwicklung des Berliner Modells. Neben Mama und Papa und Erzieherin oder Erzieher, ist die Gruppe selbst wichtig. Dabei wird davon ausgegangen, dass Kinder andere Kinder in ihrer Gruppe aufnehmen und Neulingen schnell beibringen, wie sie sich innerhalb der Gruppe am besten zu verhalten haben.

Außerdem ist dieses Modell zeitlich nicht so starr. Während das Berliner Modell aus vier Phasen besteht, sind es beim Münchener Modell mehrere feine Etappen, welche aber flexibler gestaltet werden können.

Vorbereitungsphase

In dieser Phase tauschen sich Eltern intensiv mit den Pädagogen aus. Gibt es etwas, dass sie über Dein Kind wissen sollten? Ängste? Unverträglichkeiten? Eigenarten? Bedarf Dein Kind einer speziellen Förderung, vielleicht einer Sprachförderung? Wie sieht euer Tagesablauf aus? Liest Du Deinem Kind regelmäßig vor oder habt ihr spezielle Rituale?

Kennenlernphase

In dieser Zeit, die sich über mehrere Wochen erstreckt, lernen Du und Dein Nachwuchs die Einrichtung und ihren Alltag kennen. Das Modell sieht vor, dass gewisse Abläufe, Spiele, Ruhephasen und Rituale von einem Kind öfter beobachtet werden müssen, um verinnerlicht werden zu können. Das bedeutet für Dich, dass mehrere Kita-Besuche über ein paar Stunden eingeplant werden sollten. Diese Phase hilft Deinem Kind dabei, die neuen Umstände mitsamt den anderen Kindern und Pädagogen besser einschätzen zu können.

Sicherheitsphase

Ab der zweiten Woche ziehen sich in diesem Modell die Eltern zurück. Ihr besucht nach wie vor gemeinsam die Kita, ohne Trennungsversuch. Ab jetzt übernehmen Erzieher und Erzieherin das Wickeln und An- und Ausziehen des Kindes und treten als konkrete Bezugsperson in Erscheinung.

Vertrauensphase

Wenn Dein Kind sich sicher fühlt, beginnt die nächste Phase, in der Du Dich zu Beginn zwischen 30 Min. und 60 Min. von Deinem Kind trennst. Ganz wichtig: Verabschiede Dich und gehe, auch wenn Dein Kind weint und schreit. So lernt es sich mit der anfänglichen Trennungsangst auseinanderzusetzen.

Reflexion

Auch, wenn in der gesamten Eingewöhnung regelmäßiger Austausch zwischen den Eltern und den Erziehern stattfindet, ist die Abschlussphase wichtig für die folgende Zeit. Hier wird besprochen, wie die Eingewöhnung gelaufen ist, ob es beispielsweise irgendwelche Auffälligkeiten gab oder auch Bedürfnisse, auf die in der kommenden Zeit eingegangen werden sollte.

Fazit

Ganz gleich, mit welcher Methode Du Deinem Kind den Kita-Start erleichtern möchtest, die Hauptsache ist, dass Du Dich frühzeitig damit auseinandersetzt und auf die individuellen Bedürfnisse Deines Kindes eingehst. Unterstütze Dein Kind und stärke ihm den Rücken, wenn es sich in der Eingewöhnung noch unsicher fühlt.

Der beste Tipp, den man Eltern geben kann, denen eine Kita-Eingewöhnung bevorsteht, ist wahrscheinlich, geduldig zu sein. Nimm Dir Zeit und noch wichtiger: Gib Deinem Nachwuchs die Zeit, die er benötigt, um sich an den neuen Lebensabschnitt zu gewöhnen.

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